📋 Kursübersicht
- Klassifizierung von Lagerungsarten
- Klassifizierung der Kommissionierung
- Organisatorische Bausteine der Kommissionierung
- Aufteilungs-, Bearbeitungs- und Bewegungsstrategien
- Bewegungsstrategien in der Ebene
- Bewegungsstrategien in der Regalwand
- Entnahmestrategien und Belegungsstrategie
- Leergutstrategie und Entsorgung
- Gestaltung von Kommissionierarbeitsplätzen
- Automatisierung und Robotik im Lager
- Gestaltung und Dimensionierung von Lager
- Spielzeiten: Definition und Ermittlung
📖 1. Klassifizierung von Lagerungsarten
🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen
- Lagerungsarten : Lagerungsarten sind unterschiedliche Formen, wie Güter im Lager räumlich und organisatorisch abgelegt und bereitgestellt werden.
- Klassifizierung : Klassifizierung ist die systematische Einteilung von Lagerungsarten nach festgelegten Merkmalen, um Auswahl und Planung zu erleichtern.
- Bereitstellung : Bereitstellung beschreibt, wie Ware für die Kommissionierung bereitgestellt wird, also ob sie vorab verfügbar ist oder erst im Prozess entsteht.
- Bewegung : Bewegung bezeichnet, wie sich der Kommissionierer oder das System während der Kommissionierung räumlich bewegt.
- Entnahme : Entnahme ist die Phase, in der die Ware aus dem Lagerplatz aufgenommen wird.
📝 Wesentliche Punkte
- Die Klassifizierung der Kommissionierung nutzt Merkmale wie Bereitstellung, Bewegung, Entnahme und Abgabe, um das Vorgehen einzuordnen.
- Beispiel Pick-by-Light: Bereitstellung erfolgt statisch, also ohne vorherige dynamische Bewegung der Bereitstellung.
- Beispiel Pick-by-Light: Bewegung ist eindimensional, da die Kommissionierung im Gang/Zone erfolgt und keine Bewegung nach oben vorgesehen ist.
- Beispiel Pick-by-Light: Entnahme ist manuell, d. h. die Ware wird durch eine Person aufgenommen.
- Beispiel Pick-by-Light: Abgabe ist dezentral, also erfolgt die Übergabe an mehreren Stellen statt an einer zentralen Stelle.
- Aufteilen (Aufbauorganisation) kann einzonig oder mehrzonig sein, wobei mehrzonig den Kommissioniervorgang in Zonen teilt (z.B. gekühlt/nicht gekühlt, Großteile/Kleinteile).
💡 Eselsbrücke
Merksatz: B-B-E-A = Bereitstellung–Bewegung–Entnahme–Abgabe; dazu Aufbau: einzonig vs. mehrzonig.
📖 2. Klassifizierung der Kommissionierung
🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen
- Einzonig : Einzonig : Der Kommissioniervorgang findet in nur einer Zone statt, sodass alle Fächer derselben Zone zugeordnet sind.
- Mehrzonig : Mehrzonig : Der Kommissioniervorgang wird in mehrere Zonen aufgeteilt, und ein Kommissionierer entnimmt nur aus den Fächern seiner Zone.
- Einstufige Kommissionierung : Einstufig : Artikel werden separat für jeden Kundenauftrag entnommen, sodass pro Kommissioniergang nur ein Kundenauftrag im Fokus steht.
- Mehrstufige Kommissionierung : Mehrstufig : Artikel werden gemeinsam für mehrere Kundenaufträge entnommen und erst danach auf die Kundenaufträge sortiert.
- Gleichzeitige Bearbeitung : Gleichzeitig : Mehrere Kommissionierer bearbeiten denselben Entnahmeauftrag parallel, wodurch die Bearbeitungszeit des Auftrags sinken kann.
📝 Wesentliche Punkte
- Mehrzonig nutzt unterschiedliche Techniken/Strategien je Bereich, z.B. gekühlt vs. nicht gekühlt oder Großteile vs. Kleinteile.
- Mehrzonig erfordert eine spätere Konsolidierung der Artikel aus verschiedenen Zonen, was Koordinations- und Sortieraufwand erhöht.
- Mehrstufig reduziert Kommissionierzeiten, weil Artikel für mehrere Kundenaufträge gemeinsam entnommen werden.
- Mehrstufig verlangt eine spätere Sortierung der gemeinsam entnommenen Artikel auf die einzelnen Kundenaufträge.
- Gleichzeitige Bearbeitung verkürzt die Durchlaufzeit des Entnahmeauftrags durch parallele Kommissionierung.
- Gleichzeitige Bearbeitung erfordert eine Konsolidierung, weil mehrere Kommissionierer parallel Teile liefern.
💡 Eselsbrücke
Mehrzonig = Zonen trennen → später zusammenführen; Mehrstufig = gemeinsam holen → später sortieren; Gleichzeitig = parallel arbeiten → später konsolidieren.
📖 3. Organisatorische Bausteine der Kommissionierung
🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen
- Einzonige Kommissionierung : Organisatorische Anordnung, bei der alle Entnahmefächer in einer Zone liegen und damit grundsätzlich in einem Rundgang erreichbar sind.
- Einstufige Kommissionierung : Kommissionierform, bei der ein Entnahmeauftrag mehrere Kundenaufträge enthalten kann, Artikel aber separat entnommen und erst später zusammengeführt werden.
- Gleichzeitige Bearbeitung : Strategie, bei der ein Entnahmeauftrag auf mehrere Kommissionierer aufgeteilt wird, die parallel entnehmen und anschließend zusammenführen müssen.
- Auftragsorientierte Kommissionierung : Kommissionierprinzip, bei dem die Abwicklung nach Kundenaufträgen erfolgt und mehrere Aufträge gleichzeitig bearbeitet werden können.
- Artikelorientierte Kommissionierung : Kommissionierprinzip, bei dem die Abwicklung nach Artikeln erfolgt und Artikel aus verschiedenen Aufträgen in einer zweiten Stufe zusammengeführt werden.
📝 Wesentliche Punkte
- Bei einzonig-einstufig-gleichzeitig werden alle Fächer in einer Zone entnommen, der Entnahmeauftrag wird parallel auf mehrere Kommissionierer verteilt und danach zusammengeführt.
- Ein Entnahmeauftrag kann mehrere Kundenaufträge umfassen, dennoch werden die Artikel separat entnommen, was eine spätere Zusammenführung erfordert.
- Auftragsorientierte Kommissionierung entspricht einer einstufigen Serienkommissionierung mit mindestens 2 Aufträgen gleichzeitig.
- Artikelorientierte Kommissionierung entspricht einer zweistufigen Serienkommissionierung, bei der die erste Stufe artikelbezogen arbeitet.
- Organisatorische Bausteine umfassen die Festlegung von Reihenfolge und Wegen, wie Mitarbeiter oder Maschinen einen Entnahmeauftrag abarbeiten.
- Ziel der Bewegungs-/Entnahmestrategie ist die Minimierung der Wegzeiten durch geeignete Routenwahl.
💡 Eselsbrücke
Einzonig = eine Zone, einstufig = getrennte Artikel, gleichzeitig = mehrere Hände → danach Zusammenführung.
📖 4. Aufteilungs-, Bearbeitungs- und Bewegungsstrategien
🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen
- Kommissioniertour : Eine Kommissioniertour ist eine Rundreise, die die Entnahmestellen (E/A) und alle Kommissionierfächer in einer Reihenfolge verbindet.
- Travelling-Salesman-Problem : Das Travelling-Salesman-Problem ist die Modellierung einer Rundreise durch mehrere Punkte mit dem Ziel, die Gesamtstrecke zu minimieren.
- Durchlaufstrategie : Die Durchlaufstrategie ist eine Bewegungsform, bei der der Mitarbeiter die Gänge systematisch durchläuft, um Artikel zu entnehmen.
- Stichgangstrategie : Die Stichgangstrategie ist eine Bewegungsform, bei der der Mitarbeiter nacheinander in Gänge hineingeht und danach zur gleichen Regalseite zurückkehrt.
- Midpoint-Strategie : Die Midpoint-Strategie ist eine Bewegungsstrategie, bei der der Bereich in zwei Hälften geteilt wird und Entnahmen je Hälfte von unterschiedlichen Gangenden aus erfolgen.
📝 Wesentliche Punkte
- Das Rundreisendenproblem ist mit heutigen Rechnern lösbar, verursacht aber weiterhin hohen Rechenaufwand.
- Trotz Lösbarkeit spricht gegen die Praxis, dass die berechneten Wege für den Kommissionierer oft unintuitiv sind und dadurch Zeit kosten.
- Unintuitive Wege erhöhen den Orientierungsaufwand und führen beim Mitarbeiter zu Stress.
- Bei mehreren Kommissionierern sind kreuzende Wege wahrscheinlich.
- Durchlaufstrategie ohne Gangauslassung: Der Mitarbeiter durchläuft jeden Gang.
- Durchlaufstrategie mit Gangauslassung: Der Mitarbeiter durchläuft nur die Gänge, in denen mindestens ein Artikel zu entnehmen ist.
💡 Eselsbrücke
TSP = „Tour mit Stress“: rechnerisch lösbar, aber Wege oft unintuitiv → Zeitverlust & Stress.
📖 5. Bewegungsstrategien in der Ebene
🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen
- Midpoint-Strategie : Bewegungsstrategie, bei der der Bereich in zwei Hälften geteilt wird und Entnahmen je Hälfte vom jeweils zugehörigen Gangende aus erfolgen.
- Largest-Gap-Strategie : Bewegungsstrategie, bei der der erste und letzte Gang vollständig durchlaufen werden und für die übrigen Gänge die größte Lücke zwischen Entnahmefächern nicht befahren wird.
- Quergänge : Bauelemente im Gangsystem, die zusätzliche Verbindungen schaffen und dadurch Wegeflexibilität für Transporte und Kommissionierung erhöhen.
- Feste Kommissionierzonen : Organisationsform, bei der Kommissionierzonen räumlich fixiert sind und Aufträge in der zugewiesenen Zone abgearbeitet werden.
- Bucket Brigades : Kommissionierprinzip, bei dem Zonen nicht fix sind, sondern sich durch die gemeinsame Abarbeitung und Weitergabe von Aufträgen zwischen Kommissionierern ergeben.
📝 Wesentliche Punkte
- Midpoint-Strategie: Entnahmen in der hinteren Hälfte werden vom rückseitigen Gangende aus erreicht, Entnahmen in der vorderen Hälfte vom vorderen Gangende aus.
- Midpoint-Strategie: Nur der erste und der letzte Gang werden komplett durchlaufen; die übrigen Gänge werden nicht vollständig abgefahren.
- Largest-Gap-Strategie: Für jeden Gang mit Entnahmefach werden Distanzen zwischen je zwei Entnahmefächern sowie zwischen erstem bzw. letztem Entnahmepunkt und Gasseneckpunkt ermittelt.
- Largest-Gap-Strategie: Die größte Distanz (Largest Gap) wird nicht gelaufen, während der erste und letzte Gang mit Entnahmefach komplett durchlaufen werden.
- Largest-Gap-Strategie: Die Bereichsteilung ist variabel, weil die Entscheidung über die ausgelassene Lücke aus den gemessenen Distanzen pro Gang folgt.
- Quergänge: Durch ihre Einführung steigt die Wegeflexibilität, z.B. durch Abkürzungsmöglichkeiten bei Durchlaufstrategie, um selten angeforderte Ware im hinteren Block zu erreichen.
💡 Eselsbrücke
Midpoint: „Mitte teilen“ (vorn/vorn, hinten/hinten), Largest-Gap: „größte Lücke auslassen“, Quergänge: „Abkürzen“, Bucket Brigades: „Eimerkette“ (Weitergeben).
📖 6. Bewegungsstrategien in der Regalwand
🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen
- Einfachspiel : Einfachspiel ist eine Bewegungsabfolge, bei der eine Ladeeinheit vom E/A-Punkt zum Entnahmefach gebracht und anschließend wieder abgegeben wird, ohne Rückfahrten für Rücklagerungen.
- Auslagerspiel : Auslagerspiel ist eine Bewegungsabfolge mit Leerfahrt vom E/A-Punkt zum Entnahmefach, Aufnahme der Ladeeinheit und Lastfahrt zurück zum E/A-Punkt zur Abgabe.
- Doppelspiel : Doppelspiel ist eine Bewegungsabfolge, bei der nach der Abgabe am Einlagerfach eine Leerfahrt zum Entnahmefach erfolgt und danach erneut zum E/A-Punkt zurückgefahren wird.
- n-Streifenstrategie : n-Streifenstrategie ist eine Regalwandaufteilung in mehrere horizontale Streifen, deren Entnahmen nacheinander abgearbeitet werden.
- Belegungsstrategie : Belegungsstrategie ist die Zuordnung zwischen Lager- bzw. Bereitstellungsplätzen und den Waren, die zu einem Entnahmeauftrag gehören.
📝 Wesentliche Punkte
- Beim Einfachspiel werden i.d.R. Durchlaufstrategien ohne Gangauslassung umgesetzt, um den Ablauffluss zu unterstützen.
- Beim Auslagerspiel entstehen längere Leerfahrten, um die Ein- bzw. Auslagerleistung zu steigern.
- Beim Doppelspiel wird der Leerfahrtenanteil reduziert, um die Durchsatzleistung zu erhöhen.
- Bei Teilentnahmen sind Rücklagerungen nötig, wodurch das Einfachspiel ohne Vorteil bleibt.
- Bei der n-Streifenstrategie sind übliche Streifenzahlen 2 oder 4, und die Entnahmen werden streifenweise nacheinander abgearbeitet.
- Wegzeitbestimmende Abstände zwischen Entnahmefächern sollen möglichst nicht in z-Richtung liegen, da dort die Lagergeräte langsamer sind.
💡 Eselsbrücke
n-Streifen: Streifenweise arbeiten und z vermeiden, weil dort die Geschwindigkeit sinkt.
📖 7. Entnahmestrategien und Belegungsstrategie
🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen
- Entnahmestrategie : Entnahmestrategie : legt fest, welche Waren aus mehreren Lagerplätzen für einen Entnahmeauftrag zuerst entnommen werden.
- Belegungsstrategie : Belegungsstrategie : bestimmt, wie Lagerplätze mit Warenarten und ggf. Ladeeinheiten so belegt werden, dass Entnahme und Kommissionierung effizient laufen.
- FIFO : FIFO : Entnahme der zuerst eingelagerten Waren, um Alterung zu vermeiden und Mindesthaltbarkeitsdaten einzuhalten.
- LIFO : LIFO : Entnahme der zuletzt eingelagerten Waren, wobei die Lagerart (z.B. Kanallager) die Reihenfolge begünstigt.
- NINO : NINO : Entnahme der am nächsten zum Einlagerungs- und Entnahmepunkt bzw. zur Basis eingelagerten Waren zur Wegminimierung.
📝 Wesentliche Punkte
- Entnahmestrategien setzen voraus, dass eine Warenart mehrere Plätze im System besitzt.
- Mögliche Ziele sind Minimierung der Wege, bessere Raumausnutzung, gleichmäßiger Umschlag und Vermeidung von Blockierungen beim Zugriff.
- FIFO verhindert Überalterung und berücksichtigt das Mindesthaltbarkeitsdatum sowie Chargen- bzw. Sequenzvorgaben in Produktionsprozessen.
- LIFO kann Umlagerungen vermeiden, wenn die Lagerart dies prinzipbedingt unterstützt (z.B. Kanallager).
- NINO reduziert Wege, indem bevorzugt nahe zur Basis bzw. zu Einlagerungs- und Entnahmepunkten liegende Bestände entnommen werden.
- Restmengenbevorzugung bedeutet, dass Anbruchmengen einer Warenart zuerst entnommen werden, sodass im System nur eine Anbruchmenge verbleibt.
💡 Eselsbrücke
FIFO = „first raus“ gegen Verderb; LIFO = „last raus“ bei Kanälen; NINO = „nearest raus“ für kurze Wege.
📖 8. Leergutstrategie und Entsorgung
📖 9. Gestaltung von Kommissionierarbeitsplätzen
🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen
- Technikunterstützung beim Kommissionieren : Technikunterstützung bezeichnet den abgestuften Einsatz von Hilfsmitteln, um den Kommissionierprozess in mehreren Teilphasen zu erleichtern.
- Kommissionierprozess : Der Kommissionierprozess ist der Ablauf im Distributionszentrum, der Aufträge zusammenstellt und damit die höchste Komplexität im Distributionsbetrieb trägt.
- Manuelle Einlegearbeit : Manuelle Einlegearbeit ist das meist menschlich ausgeführte Einlegen der Ware in das Versandgut trotz Automatisierung anderer Schritte.
- Automatisierte Vorbereitung und Abtransport : Automatisierte Vorbereitung und Abtransport umfasst die häufig maschinelle Bereitstellung sowie das Abtransportieren und Verschließen des Versandguts.
- Dark Warehouse : Dark Warehouse ist ein (nahezu) vollautomatisiertes Lagerkonzept, das ohne Personalbetrieb auskommen soll und stark auf Vernetzung und Robotik setzt.
📝 Wesentliche Punkte
- Der Kommissionierprozess gilt als der komplexeste Teil im Distributionszentrum.
- Der Kommissionierprozess kann je nach Bedarf mit unterschiedlichem Technikeinsatz unterstützt werden.
- Vorbereitung sowie Abtransport und Verschließen des Versandguts werden häufig automatisiert.
- Das Einlegen der Ware in das Versandgut erfolgt meistens manuell.
- Typische Problemfelder sind Auftragseinlastung, Mitarbeitersteuerung, fehlende Flächen in der Konsolidierung, Flexibilität bei Auftragsänderungen sowie Leistungsengpässe der Ver- und Entsorgung bei Spitzenlast.
- Vollautomatisierte Lager können die Lichtverhältnisse minimieren, da das Lager menschfrei ist und durch vernetzte Roboter betrieben wird.
💡 Eselsbrücke
Kommissionieren = „höchste Komplexität“: Automatisiere Vorbereitung/Abtransport, lasse Einlegen meist manuell, plane Engpässe bei Spitzenlast.
📖 10. Automatisierung und Robotik im Lager
🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen
- Robotik im Lager : Robotik im Lager bezeichnet die Übernahme eng definierter Lager- und Distributionsaufgaben durch technische Systeme statt durch Menschen.
- Menschenleeres Lager : Menschenleeres Lager meint den vollständigen Verzicht auf Mitarbeitende im Betrieb, der aktuell in der Praxis noch nicht erreicht ist.
- Spielzeit : Spielzeit ist die Zeitdauer eines genau definierten, sich ständig wiederholenden Bewegungsablaufs im Lager- und Distributionsprozess.
- Durchsatz : Durchsatz ist die Leistungsgröße, die angibt, wie schnell ein System arbeitet, und wird als Kehrwert der Spielzeit beschrieben.
📝 Wesentliche Punkte
- Robotik ist besonders unter außergewöhnlichen Bedingungen wie Kälte oder Dunkelheit einsetzbar, weil Aufgaben dann automatisiert werden können.
- Aktuell werden in der Praxis immer mehr eng abgegrenzte Aufgaben durch Robotik übernommen, aber menschenleere Lager sind noch nicht realisiert.
- Die Spielzeit dient zur Systemauswahl, zur Dimensionierung und zum Vergleich von Alternativen sowie zur Planung von Leistungssteigerungen.
- Der Durchsatz ist gleich dem Kehrwert der Spielzeit, sodass kürzere Spielzeiten direkt höhere Durchsatzwerte bedeuten.
- Spielzeiten können ermittelt werden durch Simulation, Messung oder Mittelwertberechnung mit Systemen vorbestimmter Zeiten wie MTM; Mittelwerte erfordern zusätzlich Worst-Case-Betrachtungen.
- Bei der Simulation wird das System als Modell abgebildet und mit zufälligen oder ausgewählten Entnahmeaufträgen betrieben, wobei signifikante Ergebnisse sichergestellt werden müssen.
💡 Eselsbrücke
Spielzeit bestimmt Durchsatz: Kehrwert-Regel—kurz = schnell.
📖 11. Gestaltung und Dimensionierung von Lager
🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen
- Basiszeit : Basiszeit ist die Zeit, die bei der Kommissionierung anfällt, ohne von der Anzahl der Positionen abzuhängen.
- Totzeit : Totzeit ist die je Position am Entnahmeort anfallende Zeit, die neben der physischen Materialbewegung benötigt wird.
- Greifzeit : Greifzeit ist der Zeitanteil für die physische Bewegung eines Artikels innerhalb einer Position, vom Aufnehmen bis zum Ablegen.
- Wegzeit : Wegzeit ist der Zeitanteil für die Bewegung des Kommissionierers oder der Ladeeinheiten während der Kommissionierung.
- Mittlere Anzahl zu besuchender Gänge : Die mittlere Anzahl zu besuchender Gänge N ist die erwartete Zahl der Gänge, die für eine Bestellung durchlaufen werden müssen.
📝 Wesentliche Punkte
- Die Spielzeit für die Kommissionierung setzt sich aus Zeitanteilen zusammen, wobei Basis-, Tot-, Greif- und Wegzeit getrennt betrachtet werden.
- Totzeit umfasst Tätigkeiten wie Lesen, Suchen, Zählen, Quittieren und Korrigieren am Entnahmeort.
- Greifzeit umfasst die physische Materialbewegung aller Artikel einer Position, also Aufnehmen, Bewegen und Ablegen.
- Wegzeit bezieht sich auf die Bewegung des Kommissionierers bzw. der Ladeeinheiten und nicht auf Ladeeinheiten auf dem RFZ eines AKL.
- Für die Dimensionierung gilt N als mittlere Anzahl zu besuchender Gänge und n als Anzahl der Kommissionierpositionen.
💡 Eselsbrücke
Basis–Tot–Greif–Weg: erst „Vorbereitung“, dann „am Platz“, dann „anfassen“, zuletzt „laufen“.
📖 12. Spielzeiten: Definition und Ermittlung
🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen
- Mittlere Weglänge : Die mittlere Weglänge ist die durchschnittliche zurückgelegte Wegstrecke eines Auftrags im Lager- bzw. Kommissioniergang.
- Mittlere Auftragswegzeit : Die mittlere Auftragswegzeit ist die durchschnittliche Zeit, die für die Wegstrecke eines Kommissionierauftrags benötigt wird.
- Stichgangstrategie ohne Gangwiederholung : Die Stichgangstrategie ohne Gangwiederholung ist eine Kommissionierstrategie, bei der ein Gang nur einmal befahren wird.
- Durchlaufstrategie mit Gangauslassung : Die Durchlaufstrategie mit Gangauslassung ist eine Strategie, bei der Stirnseitenwege genutzt werden und bestimmte Gänge übersprungen werden.
📝 Wesentliche Punkte
- Die mittlere Wegzeit wird aus der mittleren Weglänge und den Bewegungsparametern Geschwindigkeit v sowie Beschleunigung b ermittelt.
- Für die Stichgangstrategie ohne Gangwiederholung ergibt sich eine mittlere Wegzeit über die Gang- und Fachanzahl mit der Form LGM und BGM im Ausdruck.
- Für die Stichgangstrategie ohne Gangwiederholung gilt für die mittlere Weglänge LN=L(N) und damit tN=vLN+b(2⋅x+n+1)⋅v.
- Ein Gang enthält n⋅x Entnahmefächer, wobei n die Anzahl der Fächer je Ebene und x die Anzahl der Ebenen (bzw. Fachreihen) im Gangmodul beschreibt.
- Die mittlere Weglänge entlang der Stirnseiten wird bei der Durchlaufstrategie analog zur Durchlaufidee berücksichtigt und geht in die Wegzeitformeln ein.
- Im Beispiel gilt: 15 Positionen pro Auftrag, 1 KLT pro Lagerfach, insgesamt 5.000 KLTs; daraus folgt die Wahl zwischen Durchlaufstrategie mit Gangauslassung und Stichgangstrategie ohne Gangwiederholung.
💡 Eselsbrücke
Stichgang = Gang nur einmal; Durchlauf = „durchziehen“ und Stirnseitenwege nutzen (mit Gangauslassung).
📊 Übersichtstabellen
Aufteilen/Abwickeln/Sammeln: einstufig vs. mehrstufig; nacheinander vs. gleichzeitig
| Baustein | Optionen | Kernaussage |
|---|
| Aufteilen (Aufbauorganisation) | einzonig/mehrzonig | mehrzonig: Zonen trennen (z.B. gekühlt/nicht gekühlt) und Kommissionierer entnimmt nur aus seiner Zone |
| Abwickeln (Ablauforganisation) | einstufig/mehrstufig | einstufig: Artikel separat je Kundenauftrag entnommen; mehrstufig: Artikel gemeinsam für mehrere Kundenaufträge entnommen, spätere Sortierung nötig |
| Sammeln (Betriebsorganisation) | nacheinander/gleichzeitig | gleichzeitig: Entnahmeauftrag auf mehrere Kommissionierer aufgeteilt, parallel entnehmen → spätere Zusammenführung nötig |
⚠️ Häufige Fehler & Verwechslungen
- Mehrzonig mit einstufig verwechseln: Mehrzonig trennt Zonen, einstufig/mehrstufig beschreibt, ob Artikel je Kundenauftrag separat oder gemeinsam entnommen werden.
- Gleichzeitig falsch einordnen: „Gleichzeitig“ bedeutet parallele Bearbeitung desselben Entnahmeauftrags durch mehrere Kommissionierer und erfordert spätere Zusammenführung/Konsolidierung.
- Durchlaufstrategie vs. Stichgangstrategie vertauschen: Durchlauf nutzt „durchziehen“ (mit/ohne Gangauslassung), Stichgang geht nacheinander in Gänge/Fächer und kehrt zurück (mit/ohne Gangwiederholung).
- Midpoint-Strategie falsch merken: Es werden nur der erste und der letzte Gang komplett durchlaufen; die übrigen Gänge werden nicht vollständig abgefahren.
- Largest-Gap-Strategie missverstehen: Nicht „größte Lücke“ allgemein auslassen, sondern pro Gang die Distanzen (Gaps) bestimmen und die größte Distanz nicht laufen.
- Einfachspiel/Auslagerspiel/Doppelspiel verwechseln: Einfachspiel hat i.d.R. keine Leerfahrten für Rücklagerungen, Auslagerspiel hat Leerfahrt zum Entnahmefach und Rückfahrt zur Abgabe, Doppelspiel reduziert Leerfahrten,
- FIFO/LIFO/NINO verwechseln: FIFO = zuerst eingelagert raus (MHD/Chargen), LIFO = zuletzt eingelagert raus (z.B. Kanallager), NINO = nahe zur Basis/Einlager- und Entnahmestelle raus (Wegminimierung).
✅ Prüfungs-Checkliste
- Erkläre die Klassifizierung der Lagerungsarten/Kommissionierung anhand der Merkmale Bereitstellung, Bewegung, Entnahme und Abgabe und ordne das Pick-by-Light-Beispiel korrekt ein.
- Leite aus den Begriffen einzonig/mehrzonig sowie einstufig/mehrstufig die organisatorischen Folgen ab (Zonen trennen vs. später konsolidieren; gemeinsam holen vs. später sortieren).
- Beschreibe die organisatorischen Bausteine Aufteilen (einzonig/mehrzonig), Abwickeln (einstufig/mehrstufig) und Sammeln (nacheinander/gleichzeitig) und nenne jeweils die Kernaussage.
- Erkläre die Bewegungsstrategie „Kommissioniertour“ und das Travelling-Salesman-Problem (Rundreisendenproblem) sowie warum die optimale Route in der Praxis oft scheitert (unintuitiv, Stress, kreuzende Wege).
- Unterscheide Durchlaufstrategie mit/ohne Gangauslassung und Stichgangstrategie mit/ohne Gangwiederholung und ordne jeweils die typische Gangabdeckung zu.
- Erkläre Midpoint-Strategie und Largest-Gap-Strategie in der Ebene (vorn/hinten bzw. größte Lücke auslassen) und nenne die Rolle von Quergängen für Wegeflexibilität.
- Erkläre Bucket Brigades (Eimerkette) und den Unterschied zu festen Kommissionierzonen (Zonen ergeben sich flexibel durch Weitergabe; Zonengrößen passen sich an).
- Ordne in der Regalwand die Bewegungsabfolgen Einfachspiel, Auslagerspiel und Doppelspiel ein und erkläre, wann Rücklagerungen bei Teilentnahmen nötig sind.
- Erkläre Entnahmestrategie und Belegungsstrategie und nenne die Ziele/Grundvoraussetzungen (Warenart mit mehreren Plätzen; Ziele wie Wege minimieren, Raumausnutzung, Blockierungen vermeiden).
- Lege FIFO, LIFO und NINO korrekt fest (inkl. typische Gründe: MHD/Chargen, Umlagerungen vermeiden, Wegminimierung) und erkläre Restmengenbevorzugung als Entnahmeprinzip.
- Beschreibe Technikunterstützung beim Kommissionieren: warum der Kommissionierprozess komplex ist, was häufig automatisiert wird (Vorbereitung/Abtransport/Verschließen) und was meist manuell bleibt (Einlegen).
- Erkläre Spielzeit und Durchsatz (Durchsatz = Kehrwert der Spielzeit), wozu Spielzeiten dienen, wie sie ermittelt werden (Simulation/Messung/Mittelwertberechnung) und warum Worst-Case zusätzlich nötig ist.
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