Lernzettel: Geschichte Österreichs im Wandel

📋 Kursübersicht

  1. Gründung der Ersten Republik Österreich und Einführung des allgemeinen Wahlrechts
  2. Wirtschaftliche Probleme und Inflation in der Ersten Republik
  3. Politische Konflikte und paramilitärische Gruppen in der Ersten Republik
  4. Errichtung des autoritären Austrofaschismus und Ausschaltung des Parlaments
  5. Nationalsozialistische Herrschaft, „Anschluss“ 1938 und Verfolgung politischer Gegner*innen
  6. Befreiung 1945, Besatzungszeit und Wiedererrichtung der Zweiten Republik
  7. Staatsvertrag 1955 und Etablierung der Neutralität Österreichs
  8. Politische Entwicklung der Zweiten Republik: Konsensdemokratie, Proporzsystem und gesellschaftlicher Wandel

📖 1. Gründung der Ersten Republik Österreich und Einführung des allgemeinen Wahlrechts

🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Erste Republik : Politische Phase in Österreich, die 1918 mit der Ausrufung der Republik Deutschösterreich begann und die erste demokratische Staatsform nach dem Ersten Weltkrieg darstellt.

📝 Wesentliche Punkte

  • Die Erste Republik führte das allgemeine, gleiche, freie, geheime, direkte und persönliche Wahlrecht für alle österreichischen Staatsbürger*innen ein.
  • Der Name Deutschösterreich wurde 1919 durch den Friedensvertrag von Saint Germain verboten und in Republik Österreich geändert.
  • Seit 1920 gilt die österreichische Bundesverfassung, die alle vier Jahre Wahlen, Parteien und Pressefreiheit garantiert.

💡 Kernaussage

Die Erste Republik markiert den Übergang von Monarchie zu Demokratie mit Einführung eines umfassenden Wahlrechts und einer neuen Verfassung.

📖 2. Wirtschaftliche Probleme und Inflation in der Ersten Republik

🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Inflation : Wirtschaftliche Situation, in der das Geld immer weniger wert wird, was zu steigenden Preisen führt.
  • Ersten Weltkrieg : Krieg, der von 1914 bis 1918 dauerte und dessen Folgen die wirtschaftliche Lage Österreichs nach 1918 stark verschlechterten.

📝 Wesentliche Punkte

  • Nach dem Ersten Weltkrieg litt Österreich unter Inflation und Massenarbeitslosigkeit aufgrund schlechter wirtschaftlicher Lage und hoher Staatsschulden.
  • Österreich musste Reparationszahlungen an die Siegermächte leisten, was die wirtschaftliche Belastung verstärkte.
  • Die Einführung der Schilling-Währung 1924 stoppte die Inflation, führte aber zu staatlichen Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen.
  • Die Weltwirtschaftskrise ab 1928 verschärfte die wirtschaftliche Lage erneut und erhöhte die Arbeitslosigkeit.

💡 Kernaussage

Die Erste Republik war wirtschaftlich instabil mit Inflation und Arbeitslosigkeit, was die junge Demokratie stark belastete.

📖 3. Politische Konflikte und paramilitärische Gruppen in der Ersten Republik

🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Korneuburger Eid : Ein Schwur der paramilitärischen Heimwehr im Jahr 1930, in dem sie sich gegen die parlamentarische Demokratie stellten und die Übernahme der Staatsmacht anstrebten.
  • Ersten Republik : Die Zeitspanne in Österreich nach 1918, in der die politische Ordnung durch Konflikte zwischen linken und rechten Lagern sowie durch das Wirken paramilitärischer Verbände gekennzeichnet war.

📝 Wesentliche Punkte

  • Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei und die Christlichsoziale Partei verfügten jeweils über paramilitärische Verbände: den Republikanischen Schutzbund und die Heimwehr.
  • 1927 wurden bei den Protesten 90 Menschen getötet und ca. 600 verletzt, nachdem die Polizei auf Demonstrierende schoss.
  • 1930 schworen die Heimwehren den Korneuburger Eid, in dem sie sich gegen die Demokratie stellten und die Machtübernahme anstrebten.
  • Die Parteien hatten in der Ersten Republik sehr viel Einfluss, nicht nur in der Politik, auch in den Bereichen des gesellschaftlichen Lebens: Das „linke“ und das „rechte Lager“ hatte jeweils bewaffnete Verbände (paramilitärische Organisationen), bei der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei war dies der Republikanische Schutzbund, bei der Christlichsozialen Partei die Heimwehr.

💡 Kernaussage

Politische Spannungen in der Ersten Republik eskalierten durch paramilitärische Gruppen und führten zu gewaltsamen Konflikten.

📖 4. Errichtung des autoritären Austrofaschismus und Ausschaltung des Parlaments

🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Austrofaschismus : Eine autoritäre Regierungsform in Österreich ab 1933, die durch die Ausschaltung des Parlaments, die Regierung mit Notverordnungen ohne parlamentarische Kontrolle und die Errichtung einer Einparteienherrschaft unter der Vaterländischen Front gekennzeichnet ist.
  • Vaterländische Front : Eine politische Organisation, die ab Mai 1934 als einzige erlaubte Organisation im autoritären Staat Österreich fungierte und unter der Führung von Engelbert Dollfuß die politische Kontrolle übernahm.
  • Sozialdemokratischen Arbeiterpartei : Da die Regierung nur eine Stimme Mehrheit hatte, legte der erste Nationalratspräsident, Karl Renner von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, sein Amt zurück, um als Abgeordneter mit der oppositionellen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei mitstimmen zu können.

📝 Wesentliche Punkte

  • Bundeskanzler Dollfuß regierte danach mit Notverordnungen ohne parlamentarische Kontrolle und schaltete den Verfassungsgerichtshof aus.
  • Die Presse- und Meinungsfreiheit wurde eingeschränkt, ein Streikverbot verhängt und der Republikanische Schutzbund verboten.
  • 1934 brachen Bürgerkriegskämpfe zwischen Sozialdemokraten und Regierungstruppen aus, die Regierung gewann und verbot die Sozialdemokratische Arbeiterpartei.
  • Mit der Verfassung vom 1. Mai 1934 wurde Österreich zu einem autoritären Staat mit der Vaterländischen Front als einziger Organisation.

💡 Kernaussage

Bundeskanzler Dollfuß regierte danach mit Notverordnungen ohne parlamentarische Kontrolle und schaltete den Verfassungsgerichtshof aus.

📖 5. Nationalsozialistische Herrschaft, „Anschluss“ 1938 und Verfolgung politischer Gegner*innen

🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Adolf Hitler : Es gab keine Demokratie, Adolf Hitler war der Führer eines rassistischen, faschistischen Regimes mit einer einzigen Partei (NSDAP).

📝 Wesentliche Punkte

  • 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein und vollzogen den Anschluss an das nationalsozialistische Deutsche Reich.
  • Die Volksabstimmung am 10. April 1938 wurde unter Ausschluss politischer Gegnerinnen und jüdischer Bürgerinnen sowie unter massivem Druck durchgeführt und ergab fast 100% Zustimmung.
  • Österreich wurde Teil des NS-Regimes mit Adolf Hitler als Führer, ohne Demokratie, freie Presse oder Wahlen.
  • Politische Gegner*innen, Roma, Sinti, Homosexuelle, Behinderte und vor allem Jüdinnen und Juden wurden systematisch verfolgt, inhaftiert und ermordet.
  • Widerstand gegen das NS-Regime war bei Todesstrafe verboten, nur wenige Widerstandsgruppen existierten.

💡 Kernaussage

Der Anschluss 1938 führte zur nationalsozialistischen Diktatur mit umfassender Verfolgung und Abschaffung aller demokratischen Rechte.

📖 6. Befreiung 1945, Besatzungszeit und Wiedererrichtung der Zweiten Republik

🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Vertiefung : Eine Vertiefung ist eine detaillierte und umfassende Auseinandersetzung mit einem Thema, die das Verständnis erweitert.
  • Zweite Republik : Die Zweite Republik bezeichnet die österreichische Staatsform, die nach 1945 unter alliierter Besatzung und mit der Verfassung von 1929 wieder errichtet wurde.
  • Zweiten Republik : Die Bezeichnung für die österreichische Republik, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gegründet wurde und bis heute besteht.

📝 Wesentliche Punkte

  • 1945 wurde Österreich von den Alliierten befreit und die Zweite Republik ausgerufen, basierend auf der Verfassung von 1929.
  • Bis 1955 war Österreich von den vier Siegermächten besetzt und unter alliierter Kontrolle, die österreichische Regierung war nicht souverän.
  • Für die Nationalratswahl 1945 wurden ehemalige Nationalsozialist*innen vom Wahlrecht ausgeschlossen, eine Einschränkung, die bis 1950 teilweise bestand.
  • Die Alliierten kontrollierten Gesetze und Politik über den Alliierten Rat, der erst mit dem Staatsvertrag 1955 aufgelöst wurde.
  • Österreich wurde bis 1955 von den vier alliierten Staaten verwaltet, österreichische Politik wurde unter Aufsicht dieser Alliierten gemacht: Österreich war nicht souverän, die österreichische Regierung konnte nicht Von der Monarchie bis zur Zweiten Republik – Ein Überblick 5 Texte (so nicht anders angegeben), teilweise gekürzt, aus: https://www.demokratiezentrum.org/bildung/angebote/lernmodule/demokratieentwicklung-2/ alle inneren und äußeren Angelegenheiten allein entscheiden, da der Alliierte Rat die Gesetze kontrollierte.
  • Die Durchsetzung der Opfertheorie brachte Österreich 1955 den ersehnten Staatsvertrag und wurde zum Gründungsmythos der Zweiten Republik.

💡 Kernaussage

Die Zweite Republik entstand unter alliierter Besatzung mit eingeschränkter Souveränität und kontrolliertem Wiederaufbau der Demokratie.

📖 7. Staatsvertrag 1955 und Etablierung der Neutralität Österreichs

🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Neutralität : Ein im Staatsvertrag von 1955 verankertes Prinzip, das Österreich verpflichtet, keine militärischen Bündnisse einzugehen und sich aus internationalen Konflikten herauszuhalten.
  • Staat : Eine politische Einheit mit eigener Souveränität, die durch den Staatsvertrag von 1955 als frei, unabhängig und demokratisch für Österreich festgelegt wurde.
  • Deutschland : Ein Land, mit dem im Staatsvertrag von 1955 eine wirtschaftliche und politische Vereinigung für Österreich verboten wurde.

📝 Wesentliche Punkte

  • Der Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 im Schloss Belvedere legte Österreich als unabhängigen, demokratischen und neutralen Staat fest.
  • Der Vertrag verbot eine Vereinigung mit Deutschland und regelte Minderheitenrechte sowie den Abzug der Besatzungstruppen.
  • Nach der Unterzeichnung wurde der Alliierte Rat aufgelöst und die Besatzungstruppen verließen Österreich.
  • Die Neutralität wurde am 26. Oktober 1955 gesetzlich vom Nationalrat beschlossen und ist bis heute ein zentrales Merkmal Österreichs.
  • Mai 1955 wurde im Wiener Schloss Belvedere von den Außenministern der vier alliierten Staaten USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion und vom österreichischen Außenminister Leopold Figl der Staatsvertrag (= Abkommen zwischen mindestens zwei Staaten) unterzeichnet.
  • Nach der Unterzeichnung des Staatsvertrags wurde der Alliierte Rat aufgelöst, und die Soldaten der Alliierten verließen das Land.

💡 Kernaussage

Der Staatsvertrag 1955 sicherte Österreichs volle Souveränität und begründete die dauerhafte Neutralität als Staatsprinzip.

📖 8. Politische Entwicklung der Zweiten Republik: Konsensdemokratie, Proporzsystem und gesellschaftlicher Wandel

🔑 Schlüsselkonzepte & Definitionen

📝 Wesentliche Punkte

  • Bis in die 1980er Jahre dominierten die Großparteien SPÖ und ÖVP die Politik in einer Konsensdemokratie.
  • Das Proporzsystem regelte die Verteilung von Ämtern und Funktionen zwischen den Parteien, um Konflikte zu vermeiden, wurde aber wegen der starken Parteibezogenheit kritisiert.
  • Der Opfermythos präsentierte Österreich nach 1945 als Opfer des Nationalsozialismus und wurde zum Gründungsmythos der Zweiten Republik.
  • Ab den 1970er Jahren wurde das Wahlverhalten flexibler, neue Parteien und soziale Bewegungen gewannen Einfluss, und die Demokratie entwickelte sich hin zu einer Konkurrenzdemokratie.
  • Der Umgang mit der NS-Vergangenheit änderte sich erst Ende der 1980er Jahre, als Österreich die Mittäterschaft am Nationalsozialismus offiziell anerkannte.
  • Bis in die 1980er Jahre dominierten die Sozialdemokratische Partei (SPÖ) und die Volkspartei (ÖVP) als „Großparteien“ die Politik in der Zweiten Republik.
  • Erst seit Ende der 1980er-Jahre bekennt sich das offizielle Österreich zur Mittäter*innenschaft am Nationalsozialismus.

💡 Kernaussage

Die Zweite Republik entwickelte sich von einer konsensorientierten Großparteienherrschaft hin zu pluralistischer Konkurrenz und gesellschaftlichem Wandel.

📅 Wichtige Daten

DateEvent
1918Ausrufung der Ersten Republik Österreich
1919Namensänderung zu Republik Österreich
1920Inkrafttreten der österreichischen Bundesverfassung
1924Einführung des Schilling als Währung
1928Beginn der Weltwirtschaftskrise
1938Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich

📊 Übersichtstabellen

Vergleich der politischen Systeme in Österreich

ZeitraumSystemMerkmale
1918-1933Demokratie und autoritäre TendenzenEinführung demokratischer Rechte, später Austrofaschismus
1934-1938Autoritärer StaatAusschaltung des Parlaments, Einparteienherrschaft
1945-heuteDemokratieKonsensdemokratie

⚠️ Häufige Fehler & Verwechslungen

  1. Verwechslung zwischen Austrofaschismus und Nationalsozialismus
  2. Missverständnis der Rolle der paramilitärischen Gruppen in der Ersten Republik
  3. Unterscheidung zwischen demokratischer Entwicklung und autoritären Phasen
  4. Verwechslung der Ereignisse des Anschlusses mit der Befreiung 1945
  5. Unklare Abgrenzung der politischen Entwicklung nach 1945

✅ Prüfungs-Checkliste

  1. Verstehen der Gründung der Ersten Republik 1918
  2. Kenntnis der wirtschaftlichen Probleme und Inflation nach 1918
  3. Verstehen der politischen Konflikte und paramilitärischer Gruppen
  4. Kenntnis der Errichtung des Austrofaschismus 1933/34
  5. Verstehen der Ereignisse um den Anschluss 1938
  6. Kenntnis der Befreiung 1945 und Wiedererrichtung der Zweiten Republik
  7. Verstehen des Staatsvertrags 1955 und der Neutralität
  8. Kenntnis der politischen Entwicklung der Zweiten Republik bis heute

Teste dein Wissen

Teste dein Wissen zu Geschichte Österreichs im Wandel mit 8 Multiple-Choice-Fragen mit detaillierten Korrekturen.

1. Welche Funktion hatte das allgemeine Wahlrecht bei der Gründung der Ersten Republik Österreich?

2. Welche Eigenschaft kennzeichnet die Inflation in der Ersten Republik nach 1924?

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Erste Republik — Beginn?

1918 mit Ausrufung der Republik

Allgemeines Wahlrecht — Einführung?

Nach 1918, für alle österreichischen Staatsbürger*innen

Inflation — Folge?

Wertverlust des Geldes, steigende Preise

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