Lernzettel: Sport: Taktik, Lernen und Angst

Kursübersicht

  1. Taktik-Spiel-Modell
  2. Spielmethodische Konzepte
  3. Methodische Übungsreihen
  4. Ganzheitliche und analytische Methoden
  5. Induktives und deduktives Lernen
  6. Stufen motorischen Lernens
  7. Angst und Angstbewältigung
  8. Angststörungen und Stress

1. Taktik-Spiel-Modell

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Taktik-Spiel-Modell : stellt das Spielen vor das Techniktraining, damit Lernende zuerst Spielprobleme erkennen und taktische Lösungen verstehen

★ Unbedingt können

  • Zu den Spielproblemen gehören:

    • Freilaufen
    • Überzahl nutzen
    • Ball sichern
    • Angreifen
    • Verteidigen
  • Das Taktik-Spiel-Modell verläuft über eine echte oder vereinfachte Spielform, das Erkennen des Spielproblems, das gemeinsame Verstehen einer taktischen Lösung, eine passende Technikübung und die Wiederholung der Spielform auf höherem Niveau.

Ergänzungen

  • Ein Sportspiel kann auf jedem Fertigkeitsniveau gespielt werden und ist deshalb auch für Anfänger und Schüler geeignet.

Eselsbrücke

Spielen → Problem erkennen → Taktik verstehen → Technik üben → erneut spielen

2. Spielmethodische Konzepte

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Zergliederungsmethode : zerlegt technische Fertigkeiten in einzelne Bausteine, die isoliert und nacheinander geübt werden, bevor gespielt wird
  • Konfrontationsmethode : konfrontiert Lernende sofort mit den komplexen Anforderungen eines regelgerechten Spiels, ohne vorher isoliert Technik zu üben

★ Unbedingt können

📌 Die Zergliederungsmethode ermöglicht genaues technisches Lernen und Erfolgserlebnisse durch kleine Schritte, verliert aber den Bezug zur Spielidee.

Ergänzungen

📌 Die Konfrontationsmethode ist sofort spielnah und motivierend, kann Anfänger aber überfordern, weil ihnen Technik und Taktik fehlen.

Eselsbrücke

Zergliedern isoliert Technik, Konfrontation startet direkt im komplexen Spiel

3. Methodische Übungsreihen

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Graduelle Annäherung : beginnt mit einer einfachen Grundform einer Bewegungsfertigkeit und steigert die Schwierigkeit schrittweise durch Strukturveränderungen
  • Funktionelle Teileinheiten : eine Bewegung in sinnvoll trennbare Teile zerlegt, separat geübt und anschließend zur Gesamtbewegung zusammengefügt

★ Unbedingt können

  • Bei verminderten Lernhilfen wird die Bewegung von Anfang an ganzheitlich geübt, während erleichternde Hilfen schrittweise abgebaut werden, bis die Bewegung ohne Hilfe gelingt.

Ergänzungen

  • Beim Kugelstoßen kann die graduelle Annäherung vom Standstoß über das Stoßen aus seitlichem Angehen zum Stoßen aus Rückwärtsgehen führen.

Eselsbrücke

Grundform → Schwierigkeit steigern → vollständige Bewegung

4. Ganzheitliche und analytische Methoden

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Ganzheitsmethode : übt eine überschaubare Bewegung vollständig, ohne sie zu zerlegen, sodass Struktur und Rhythmus erhalten bleiben
  • Analytisch-synthetische Methode : zerlegt komplexe Bewegungen in isoliert geübte Einzelteile und fügt diese anschließend wieder zur Gesamtbewegung zusammen

Wesentliche Punkte

  • Bei der Ganzheitsmethode können Parameter wie Bewegungsgeschwindigkeit, Kraftanforderung oder Bewegungsdauer verändert werden, um die Bewegung zu erleichtern.

  • Vereinfachungsstrategien verkürzen entweder die Programmlänge, indem Bewegungsschritte nacheinander geübt werden, oder die Programmbreite, indem Arm- und Beinbewegungen zunächst getrennt geübt werden.

Eselsbrücke

Ganzheitlich erhält Struktur und Rhythmus, analytisch-synthetisch zerlegt und fügt zusammen

5. Induktives und deduktives Lernen

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Deduktives Lernen : gibt die Lehrkraft eine konkrete Bewegungsanweisung und ein Leitbild vor, das die Lernenden nachahmen und durch Korrekturen verbessern
  • Induktives Lernen : gibt die Lehrkraft ein Bewegungsziel vor, während die Lernenden selbstständig eine passende Lösung erproben und anschließend gemeinsam bewerten

Wesentliche Punkte

📌 Deduktives Lernen ermöglicht präzises Techniklernen und eignet sich für Feinkoordination, fördert aber weniger Selbstständigkeit und Kreativität.

📌 Induktives Lernen fördert Motivation, Selbstständigkeit und Erfahrungslernen, kann aber länger dauern und zu Umwegen führen.

Eselsbrücke

Deduktiv zeigt der Lehrer den Lösungsweg, induktiv entdeckt ihn der Lernende

6. Stufen motorischen Lernens

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Grobkoordination : kann der Lernende eine Bewegung unter günstigen Bedingungen ausführen, sie ist jedoch holprig, unpräzise und häufig noch nicht konstant
  • Feinkoordination : kann der Lernende eine Bewegung unter günstigen Bedingungen annähernd fehlerfrei, präzise, flüssig und konstant ausführen
  • Situativ-variable Verfügbarkeit : ermöglicht eine automatisierte, stabile und präzise Bewegung unter schwierigen und wechselnden Bedingungen, sodass Aufmerksamkeit für Taktik frei wird

Wesentliche Punkte

  • In der Grobkoordination fehlen Bewegungskopplung und Bewegungskonstanz, der Krafteinsatz ist häufig falsch getimt, und der Lernende nutzt überwiegend den optischen Analysator.

  • Das motorische Lernen verläuft von Grobkoordination über Feinkoordination zur situativ-variablen Verfügbarkeit.

Eselsbrücke

Grobkoordination → Feinkoordination → situativ-variable Verfügbarkeit

7. Angst und Angstbewältigung

★ Unbedingt können

  • Angstformen sind:

    • Angst vor Verletzung und körperlichem Schmerz
    • Angst vor Unbekanntem
    • Angst vor Versagen
    • Angst vor Blamage
  • Angstreaktionen treten körperlich, motorisch und emotional auf:

    • Verkrampfungen, schnelles Atmen, Erbleichen und Schweißausbrüche
    • Motorische Unruhe und gestörte Bewegungsausführung
    • Aggressives, fluchtartiges oder unangemessenes Verhalten
  • Ein angemessener Umgang mit Angst umfasst das Wahrnehmen und Zugeben der Angst, die Akzeptanz durch Mitschüler, das Verändern von Angstauslösern und einen angepassten Umgang mit der Angst.

Ergänzungen

📌 Lehrkräfte sollen angstfreie Räume schaffen, Empathie zeigen, Situationen überdenken, Miteinander fördern, Lernvoraussetzungen berücksichtigen, Aufgaben differenzieren, ausreichend Übungszeit geben und Sicherheitsmaßnahmen anpassen.

Eselsbrücke

Angst auslösen → körperlich, motorisch und emotional reagieren → angepasst bewältigen

8. Angststörungen und Stress

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Soziale Phobie : eine Störung mit starker Angst, in sozialen Situationen von anderen negativ beurteilt zu werden, besonders wenn die betroffene Person im Mittelpunkt steht oder beobachtet wird
  • Panikstörung : durch wiederkehrende, plötzlich auftretende körperliche Angstattacken ohne erkennbaren Auslöser und die anschließende Angst vor weiteren Attacken gekennzeichnet
  • Spezifische Phobie : eine übermäßige und unangemessene Angst vor einem klar abgegrenzten Objekt oder einer bestimmten Situation, die zu Vermeidung führt
  • Zwangsstörung : aufdrängende Zwangsgedanken und/oder wiederholte Zwangshandlungen wie Kontrollieren oder Waschen, die Angst kurzfristig reduzieren sollen
  • Stress : Lazarus & Launier — eine körperliche und psychische Aktivierung, die entsteht, wenn eine Person eine Situation als bedeutsam oder belastend bewertet und unsicher ist, ob sie die Anforderungen bewältigen kann

★ Unbedingt können

  • Nach dem Modell von Lazarus & Launier entsteht Stress durch eine primäre Einschätzung der Situation und eine sekundäre Einschätzung der eigenen Ressourcen.

📌 Wenn eine Situation als bewältigbar eingeschätzt wird, entsteht Eustress mit möglicher Leistungssteigerung; wenn sie als nicht bewältigbar eingeschätzt wird, entsteht Distress mit Überforderung.

Ergänzungen

  • Zu den körperlichen Stressreaktionen gehören:

    • Erhöhter Herzschlag
    • Schnellere und flachere Atmung
    • Muskelanspannung
    • Schweißbildung
    • Erweiterte Pupillen
    • Adrenalinausschüttung
    • Mehr Zucker im Blut
    • Bessere Durchblutung der Muskeln
  • Psychische Stressauswirkungen sind erhöhte Aufmerksamkeit, Tunnelblick, Nervosität sowie je nach Erregungsniveau eine Leistungssteigerung oder ein Leistungsabfall.

Eselsbrücke

Soziale, spezifische und Panikängste unterscheiden sich vom wiederholten Zwang und von bewertungsabhängigem Stress

Übersichtstabellen

Spielmethodische Konzepte

KonzeptVorgehenVorteilNachteil
ZergliederungsmethodeTechnikbausteine isoliert übenGenaues technisches LernenBezug zur Spielidee fehlt
KonfrontationsmethodeDirekt mit komplexem Spiel beginnenSofort spielnah und motivierendAnfänger können überfordert sein

Angststörungen im Vergleich

StörungAuslöserKennzeichen
Soziale PhobieSoziale SituationenAngst vor negativer Bewertung
PanikstörungKein erkennbarer AuslöserPlötzliche Panikattacken
Spezifische PhobieKonkretes Objekt oder SituationÜbermäßige Angst und Vermeidung
ZwangsstörungAufdrängende GedankenWiederholte Gedanken oder Handlungen

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1. Welches Grundprinzip kennzeichnet das Taktik-Spiel-Modell?

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Was stellt das Taktik-Spiel-Modell vor dem Techniktraining?

Das Spielen.

Welche Probleme müssen Spielende in einem Sportspiel lösen?

Probleme wie Freilaufen, Überzahl nutzen, Ball sichern, Angreifen und Verteidigen.

Wie verläuft das Taktik-Spiel-Modell?

Über Spielform, Spielproblem erkennen, taktische Lösung verstehen, Technikübung und Spielform-Wiederholung.

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